BG|BRG Villach St.Martin | Egyd Gstättner zu Gast in der Schulbibliothek
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Egyd Gstättner zu Gast in der Schulbibliothek

Egyd Gstättner zu Gast in der Schulbibliothek

Im Rahmen der Aktionswoche „Österreich liest“ besuchte der Kärntner Schriftsteller, Kolumnist und Essayist Egyd Gstättner am 15. Oktober das Bundesgymnasium für Berufstätige. Mit im Gepäck hatte er seinen erst kürzlich erschienenen Roman „Mein Leben als Hofnarr“.

Egyd Gstättner wurde 1962 in Klagenfurt geboren. Er studierte an der Universität für Bildungswissenschaften, wie die Kärntner Alma Mater damals noch hieß, Philosophie und Germanistik. 1993 erfolgte die Promotion zum Doktor der Philosophie.

Erste Schreibversuche gab es bereits in der Mittelschulzeit; erste Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften wie den „manuskripten“ in den frühen 80er Jahren; erste journalistische und essayistische Publikationen im Feuilleton u.a. der Presse oder der Süddeutschen Zeitung folgten in den späten 80ern und frühen 90ern. Heute schreibt er – neben Presse und Süddeutscher Zeitung – u.a. für Die Zeit, Den Standard, Kurier, Falter, Die Furche und Kleine Zeitung.

1990 erschien die erste eigenständige Buchpublikation, mittlerweile sind es an die 40 Bücher, die er geschrieben und veröffentlicht hat.

Preise, Auszeichnungen und Stipendien ließen demgemäß nicht auf sich warten.

Nun aber zu Gstättners „Mein Leben als Hofnarr“: Ein Roman? Kein Roman? „Dieser Roman ist ein Roman. Also genau genommen ein Tagebuchroman“, liest man auf Seite neun des Buches. Wahr oder erfunden? „Der Autor Egyd Gstättner spielt mit der Figur Egyd Gstättner Verstecken“, heißt es im Klappentext. „Vielleicht hab ich mich zeitlebens immer nur in einen Schriftsteller hineinversetzt und so getan, als ob ich einer wäre“, gibt Gstättner selbst im Text zu bedenken. Also: Was kann man wem glauben?

Karin Petutschnig schreibt in der Kleinen Zeitung: „Künstlerbiographien sind sein Metier“; diesmal macht sich der Satiriker selbst zum Helden. Was dem Leser mit seinem Roman respektive seinen Tagebuchaufzeichnungen vorliegt, ist ein unkonventioneller Künstlerroman, die Chronik eines Hofnarren – voller Selbstironie und Witz – im Plauderton erzählt und kurzweilig zu lesen.

Man erfährt u.a. so manches

– über das österreichische VerlagsUNwesen: Gstättner dazu im Originalton: „Ein österreichischer Autor bei einem österreichischen Verlag ist eine arme Sau.“

– the man himself, den Nicht-Büchner-Preisträger, aber dafür „Peter-Rosegger-Jubiläumshauptschulspatenehrenbesitzer“, der geplagt wird von einer Erfolgslosigkeitsdepression

– von der Teilnahme des Autors an der Literaten-Fußball-Euro 2008 und dem damit verbundenen „Männerschmusen“

– von Lesungen vor fortbildungswilligen Bibliothekarinnen – wohl gemerkt: Bibliothekarinnen nicht mit Binnen-I geschrieben

– von Dichterfreunden, wie Alois Brandstetter es einer ist, und solchen, die es eher nicht sind

– vom tatsächlichen Büchnerpreisträger „JOWI“, einem aus dem „Handke-Anbetungsverein“, wie Gstättner formuliert, den er eher zu meiden trachtet

– darüber hinaus von ebendiesem, vom „Meister und Messias“ Peter Handke, so Gstättners Befund, vom großen Sprachenverführer und Neo-Literaturnobelpreisträger, dessen Maxime lautet: „Schönheit ist die erste Bürgerpflicht“.

– Und schließlich von Thomas Bernhards allerletztem Buch am Grinzinger Friedhof.

Und weil wir schließlich in einem Gymnasium sind, wo man, wie es im Buch heißt, naturgemäß „systematisch verdorben“ wird, erfahren wir auch von Trixi Meisner, einer Lehrerin mit großem Faible für die grüne Insel, die dem Autor eines Tages, unvermutet und rundheraus gesteht, dass sie ihn liebt.

Was lernen wir also aus alledem? Es ist verdammt hart, Egyd Gstättner zu sein!

Egyd Gstättner las ausgewählte Textpassagen aus seinem Romanneuling – vornehmlich solche mit Kärntenbezug – und bescherte uns damit, Lehrern wie Studierenden gleichermaßen, einen vergnüglichen Literaturabend, der lange im Gedächtnis bleiben wird.