BG|BRG Villach St.Martin | Politologe Univ.Prof. Dr. Anton Pelinka zu Gast am Gymnasium Villach St. Martin
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Politologe Univ.Prof. Dr. Anton Pelinka zu Gast am Gymnasium Villach St. Martin

Politologe Univ.Prof. Dr. Anton Pelinka zu Gast am Gymnasium Villach St. Martin

Im Rahmen des Gedenk- und Erinnerungsjahres 2018 besuchte der renommierte Politikwissenschafter Dr. Anton Pelinka kürzlich das Gymnasium St. Martin. Auf Einladung von Schulbibliothekarin Mag. Astrid Rakowitz-Falle warf der promovierte Jurist, der sich nie als solcher verstand – so Pelinka im Originalton -, einen Blick zurück  auf die Erste, die „gescheiterte Republik“, so auch der Titel seines 2017 erschienenen Buches, und referierte ausführlich über Kultur und Politik in Österreich zwischen 1918 und 1938.

Neben zentralen Daten und Fakten ließ Pelinka v.a.  mit profunden Analysen und Kommentaren aufhorchen. Er weist die Republik, deren Gründung 1918 „aus einer Verlegenheit heraus“ („die wohl beste Verlegenheitslösung, die im Herbst 1918 politisch möglich war“) geschehen war, als ein „Produkt der Fremdbestimmung“ aus; demgegenüber benennt er das, „was daraus gemacht wurde“, als „Produkt der Selbstbestimmung“. Er stellt die Frage nach der Ursächlichkeit des Scheiterns und diskutiert die Verantwortlichkeit. Weiters spürt Pelinka der Historie des Antisemitismus nach – nicht ohne auf das seit 1945 existierende Phänomen des „Antisemitismus ohne Juden“ zu verweisen. Darüber hinaus nimmt er Stellung zur „Opfertheorie“- Österreich galt bekanntermaßen lange Zeit als erstes Opfer Hitler-Deutschlands -, die, wie er ausführt, nach wie vor durch die Debatten geistert. Und: Er weist auf die Wichtigkeit der Rolle von Kultur hin, wenn er meint: „Kultur kann sich nicht dauernd der Politik entziehen, sonst wird sie zum Opfer der Politik“. Pelinka schließt mit einem positiven Ausblick, indem er der Zweiten Republik „ein hohes Maß an demokratischer Stabilität“ attestiert.

Ein großartiger Vortrag, der Schüler – rund 160 Jugendliche der siebenten und achten Klassen nahmen daran teil – und Lehrer gleichermaßen beeindruckt zurückließ!

Anlässlich der Aktionswoche „Österreich liest“ waren weiters die gebürtige Niederländerin Rachel van Kooij sowie der deutsche Schauspieler, Drehbuchautor und Schriftsteller Christoph Wortberg zu Gast in der Schulbibliothek.

 

Mag. Astrid Rakowitz-Falle